Geschichte

»Das Seepferdchen ist ein kräftiges Tier. Es steht aufrecht im Wasser und kann nicht untergehen«, ermutigt der Schwimmlehrer die Kinder. Nach ihm ist auch ein Ort im Gehirn des Menschen benannt, der Hippocampus, wo alles Erinnern beginnt. Dort archivieren wir das, was wir nicht vergessen können – im Seepferdchen begegnen sich Schrecken und Schönheit des Lebens. Für Hanan ist es der Ort, an dem sie ihre Erinnerung an das Meer aufbewahrt. Als die junge Jesidin mit ihrer Familie in einem kleinen Schlauchboot das Mittelmeer überquerte, konnte sie nicht schwimmen. Das Blau des Wassers und die Angst vor dem Ertrinken hatten sich unwiderruflich in ihr Gedächtnis gebrannt. Um ihre Ängste zu bezwingen, lernte sie schwimmen. Doch im Wasser des Schwimmbads erwarten sie noch immer die dunklen Bilder vom Mittelmeer. »Seepferchen« erforscht in poetischer Weise die Widersprüchlichkeit und Unberechenbarkeit des Gedächtnisses.

»EIN DOKUMENTARFILM ÜBER DIE UNERSCHÜTTERLICHKEIT DER ERINNERUNG«

Mittelmeer

Geschichte

»Das Seepferdchen ist ein kräftiges Tier. Es steht aufrecht im Wasser und kann nicht untergehen«, ermutigt der Schwimmlehrer die Kinder. Nach ihm ist auch ein Ort im Gehirn des Menschen benannt, der Hippocampus, wo alles Erinnern beginnt. Dort archivieren wir das, was wir nicht vergessen können – im Seepferdchen begegnen sich Schrecken und Schönheit des Lebens. Für Hanan ist es der Ort, an dem sie ihre Erinnerung an das Meer aufbewahrt. Als die junge Jesidin mit ihrer Familie in einem kleinen Schlauchboot das Mittelmeer überquerte, konnte sie nicht schwimmen. Das Blau des Wassers und die Angst vor dem Ertrinken hatten sich unwiderruflich in ihr Gedächtnis gebrannt. Um ihre Ängste zu bezwingen, lernte sie schwimmen. Doch im Wasser des Schwimmbads erwarten sie noch immer die dunklen Bilder vom Mittelmeer. »Seepferchen« erforscht in poetischer Weise die Widersprüchlichkeit und Unberechenbarkeit des Gedächtnisses.

Trailer

Trailer

Trauma

Das massenhafte Sterben an den Toren Europas ist aus den Schlagzeilen verschwunden. Die Bilder von ertrinkenden Kindern im Mittelmeer haben ihre Schlagkraft verloren, weil wir ihnen – nachdem sie über Monate hinweg die mediale Diskussion bestimmten – überdrüssig wurden. Während sich das Mittelmeer als Massengrabstätte Schutzsuchender leise aus dem kollektiven Gedächtnis der europäischen Gesellschaften verabschiedet, ist die Erinnerung für all jene, die die lebensgefährliche Überfahrt nach Europa überlebt haben, weniger einfach zu vergessen. So bleibt das Trauma, aber auch die Freude über das Überleben. Beides hält Einzug in den Alltag, wo in jeder Situation eine unkontrollierte Erinnerung an das Erlebte aufwarten kann, wie der Kontakt mit Wasser nach dem Beinahe-Ertrinken auf dem Mittelmeer. Damit wird auch das Hallenbad zu einem Schauplatz für die Nachwehen der Flüchtlingswelle, an dem die überflutenden Erinnerungen an die lebensgefährliche Überfahrt inmitten des »sicheren Hafen Europa« auftauchen. »Seepferchen« soll unseren Blick auf genau diese Alltäglichkeit und Widersprüchlichkeit des Erinnerns richten.
Hanan

Trauma

Das massenhafte Sterben an den Toren Europas ist aus den Schlagzeilen verschwunden. Die Bilder von ertrinkenden Kindern im Mittelmeer haben ihre Schlagkraft verloren, weil wir ihnen – nachdem sie über Monate hinweg die mediale Diskussion bestimmten – überdrüssig wurden. Während sich das Mittelmeer als Massengrabstätte Schutzsuchender leise aus dem kollektiven Gedächtnis der europäischen Gesellschaften verabschiedet, ist die Erinnerung für all jene, die die lebensgefährliche Überfahrt nach Europa überlebt haben, weniger einfach zu vergessen. So bleibt das Trauma, aber auch die Freude über das Überleben. Beides hält Einzug in den Alltag, wo in jeder Situation eine unkontrollierte Erinnerung an das Erlebte aufwarten kann, wie der Kontakt mit Wasser nach dem Beinahe-Ertrinken auf dem Mittelmeer. Damit wird auch das Hallenbad zu einem Schauplatz für die Nachwehen der Flüchtlingswelle, an dem die überflutenden Erinnerungen an die lebensgefährliche Überfahrt inmitten des »sicheren Hafen Europa« auftauchen. »Seepferchen« soll unseren Blick auf genau diese Alltäglichkeit und Widersprüchlichkeit des Erinnerns richten.

»Alles, was man vergessen hat, schreit im Traum um Hilfe.«

— Elias Canetti
beide2
Sidar

»Alles, was man vergessen hat, schreit im Traum um Hilfe.«

— Elias Canetti

FLUCHT

»Meine Geschichte« nennt Hanan das, was sie auf der Flucht erlebt hat. Die Überfahrt über das Mittelmeer ist der dramatischste Moment dieser Geschichte. Die Bilder von der Untiefe des Meeres und die Angst vor dem Ertrinken sind bis heute ein Teil von Hanan, aber sie sind auch nur ein Teil ihrer Geschichte – eine von vielen unwiderruflichen Erinnerungen an den Weg in ein anderes Leben. 451 Tage war Hanan gemeinsam mit ihrer Familie auf der Flucht, 5809 Kilometer haben sie auf dem Weg von Borek im Irak nach Deutschland zurückgelegt, unzählige kleine Momente, Gerüche, Töne, Farben und Empfindungen formen diese Reise. Auf der Spur der Erinnerung.
2015
Die ersten zwölf Jahre ihres Lebens verbringt Hanan mit ihren Eltern und ihren vier Schwestern Janan, Helin, Sulin und Dalin in ihrem Haus in Borek, einem kleinen Städtchen im Nordirak. Die Erinnerungen an diese Zeit sind laut, farbenfroh und sie duften nach Sommer – nach den Granatapfelbäumen im Hinterhof ihres Tonhauses. Hier spielen die Geschwister oft Wurfspiele, während Hanans Mutter Seve in der Küche das Gemüse aus dem eigenen Garten zu jesidischen Traditionsgerichten verkocht; ihr Vater Saeed betreibt zwei Läden und einen Friseursalon. Alle Männer in der Familie haben akkurat geschnittene Haare, bald auch der erste Sohn. Im Februar 2014 wird Sidar geboren. Tagelang kommen Nachbarn, Freunde und Verwandte zu Besuch und gratulieren der Familie zu ihrem Erstgeborenen. »Sidar war ein ruhiges Kind, ganz anders als jetzt«, erinnert sich Hanan an die Monate vor der Flucht. Nur nachts schreit Sidar. Wenn die Schwestern der Familie gemeinsam auf dem Dach des Hauses unter dem Sternenhimmel übernachten, dann weint er plötzlich in seiner kleinen Wiege – so, als würde er Traum erahnen, was ihnen bevorsteht.

FLUCHT

»Meine Geschichte« nennt Hanan das, was sie auf der Flucht erlebt hat. Die Überfahrt über das Mittelmeer ist der dramatischste Moment dieser Geschichte. Die Bilder von der Untiefe des Meeres und die Angst vor dem Ertrinken sind bis heute ein Teil von Hanan, aber sie sind auch nur ein Teil ihrer Geschichte – eine von vielen unwiderruflichen Erinnerungen an den Weg in ein anderes Leben. 451 Tage war Hanan gemeinsam mit ihrer Familie auf der Flucht, 5809 Kilometer haben sie auf dem Weg von Borek im Irak nach Deutschland zurückgelegt, unzählige kleine Momente, Gerüche, Töne, Farben und Empfindungen formen diese Reise. Auf der Spur der Erinnerung.
Die ersten zwölf Jahre ihres Lebens verbringt Hanan mit ihren Eltern und ihren vier Schwestern Janan, Helin, Sulin und Dalin in ihrem Haus in Borek, einem kleinen Städtchen im Nordirak. Die Erinnerungen an diese Zeit sind laut, farbenfroh und sie duften nach Sommer – nach den Granatapfelbäumen im Hinterhof ihres Tonhauses. Hier spielen die Geschwister oft Wurfspiele, während Hanans Mutter Seve in der Küche das Gemüse aus dem eigenen Garten zu jesidischen Traditionsgerichten verkocht; ihr Vater Saeed betreibt zwei Läden und einen Friseursalon. Alle Männer in der Familie haben akkurat geschnittene Haare, bald auch der erste Sohn. Im Februar 2014 wird Sidar geboren. Tagelang kommen Nachbarn, Freunde und Verwandte zu Besuch und gratulieren der Familie zu ihrem Erstgeborenen. »Sidar war ein ruhiges Kind, ganz anders als jetzt«, erinnert sich Hanan an die Monate vor der Flucht. Nur nachts schreit Sidar. Wenn die Schwestern der Familie gemeinsam auf dem Dach des Hauses unter dem Sternenhimmel übernachten, dann weint er plötzlich in seiner kleinen Wiege – so, als würde er Traum erahnen, was ihnen bevorsteht.

Team

Mit: Hanan und Sidar Abdo Elias
Buch und Regie: Nele Dehnenkamp
Produktion: Nele Dehnenkamp, Christine Duttlinger
Bildgestaltung: Tobias Winkel, Sina Diehl
Originalton: Johann Meis, Simon Droessler
Montage: Jana Briesner
Sound-Design: Johann Meis
Mischung: Jana Irmert
Filmmusik: Paul Chriske
Zusätzliche Kamera: Pierre Castillo Bernard
Farbgestaltung: David Holfelder
Artwork: Marc Trompetter
Untertitelung: Liv Schwenk

Eine Produktion der Filmakademie Baden-Württemberg GmbH

Team

Mit: Hanan und Sidar Abdo Elias
Buch und Regie: Nele Dehnenkamp
Produktion: Nele Dehnenkamp, Christine Duttlinger
Bildgestaltung: Tobias Winkel, Sina Diehl
Originalton: Johann Meis, Simon Droessler
Montage: Jana Briesner
Sound-Design: Johann Meis
Mischung: Jana Irmert
Filmmusik: Paul Chriske
Zusätzliche Kamera: Pierre Castillo Bernard
Farbgestaltung: David Holfelder
Artwork: Marc Trompetter
Untertitelung: Liv Schwenk

Eine Produktion der Filmakademie Baden-Württemberg GmbH

NEUES

Screening24. Juni 2021

SEEPFERDCHEN IN PALM SPRINGS

Noch bis zum 28. Juni findet das Palm Spring International Short Fest, das größte Kurzfilmfestival der USA, statt. Seepferdchen läuft in dem Kurzfilmprogramm »The History of Us«.
Screening21. Juni 2021

WELTFLÜCHTLINGSTAG

Gestern wurde Seepferdchen im Rahmen des Weltflüchtlingstages in Wolfsburg aufgeführt. Unter Anwesenheit der Protagonist*innen Hanan und Sidar Abdo Elias wurde der Film unweit des Drehortes, im Kulturzentrum Hallenbad, gezeigt.
Auszeichnung14. Juni 2021

SEEPFERDCHEN GEWINNT GOLDENEN SPATZ

Die Kinderjury des 29. Kinder Medien Festivals Goldener Spatz hat Seepferdchen in der Kategorie »Information/Dokumentation/Dokumentarfilm« zum besten Film gekürt. Am vergangenen Freitag wurde der Preis im Funkhaus Erfurt verliehen.
Auszeichnung29. Mai 2021

YOUNG C. AWARD FÜR SEEPFERDCHEN

Seepferdchen wurde im Rahmen des 34. CIVIS Medienpreises mit dem Young C. Award ausgezeichnet. Der CIVIS Medienpreis ist Europas bedeutendster Medienpreis für Migration, Integration und kulturelle Vielfalt.
Auszeichnung25. Mai 2021

FBW-PRÄDIKAT »BESONDERS WERTVOLL«

Die Deutsche Film- und Medienbewertung FBW hat Seepferdchen mit dem Prädikat »besonders wertvoll« ausgezeichnet. In der Pressemitteilung heißt es: »Mit einer beeindruckenden Ruhe berichtet Hanan von ihren Ängsten und ihren Erinnerungen...

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Kontakt

Screenings und Presse:
Christine Duttlinger I Produktion
E-Mail: christine.duttlinger@filmakademie.de
Telefon: +49 160 928 49 007

> Download Filmposter

Weltvertrieb:
Sigrid Gairing I Lizenzen
E-Mail: sigrid.gairing@filmakademie.de
Telefon: +49 7141 969 82193

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Danke

Ohne die finanzielle und ideelle Unterstützung unserer Förderer wäre die Produktion von Seepferdchen nicht möglich gewesen.

Besonderer Dank gilt auch der Flüchtlingshilfe Wolfsburg e.V.

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Ohne die finanzielle und ideelle Unterstützung unserer Förderer wäre die Produktion von Seepferdchen nicht möglich gewesen.

Besonderer Dank gilt auch der Flüchtlingshilfe Wolfsburg e.V.